Die Geschichte des Rodheimer Sports

Am Anfang unseres geschichtlichen Rückblicks seien noch ein zwei Absätze aus unserer Vereinssatzung zitiert. In der Satzung heißt es:

„Der Verein enthält sich jeglicher parteipolitischer Tätigkeit und konfessioneller, beruflicher und rassistischer Diskriminierung. Der Satzungszweck wird verwirklicht insbesondere durch: Förderung sportlicher Übungen und Leistungen und dadurch sollen die Menschen in Freundschaft miteinander verbunden werden

In Rodheim v.d.H. gab es 1891 einen "bürgerlichen " Sportverein und ab 1908 auch einen "Arbeitersportverein". Bürger und Arbeiter in Rodheim spielten und turnten also damals nicht mit-, sondern gegeneinander. Auf die "besondere" Bedeutung des Sports im Nationalsozialismus wird an späterer Stelle eingegangen.

Diskriminierungen aufgrund der Rasse sind uns allen noch gut in Erinnerung; auch in Rodheim v.d.H. gab es Juden. Doch auch heute flammt hin und wieder ein gewisser Rassismus bei Fußballspielen oder ähnlichen Großereignissen auf. Bleibt zu hoffen, dass unsere Kinder durch gemeinsamen Schulunterricht und Vereinssport mit fremden Rassen und Konfessionen dazu beitragen, diese Diskriminierung zu beseitigen.

Doch zurück zur Vergangenheit:

Gründung der Turngemeinde 1891 Rodheim v.d.H.

Als Geburtsjahr des ersten Rodheimer Vereins, der die Pflege der Leibesübungen auf seine Fahne geschrieben hatte, ist das Jahr 1891 anzusehen. Damals fanden sich ausschließlich junge Männer im Geiste von "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn unter dem Wahlspruch "Frisch, fromm, fröhlich, frei!" zusammen. Frauen im Sport waren zu dieser Zeit kein Thema. Als Sportarten wurden in der Turngemeinde neben dem Turnen auch Leichtathletik und Schwerathletik betrieben. Im Jahre 1903 fand ein großes Turnfest mit Fahnenweihe statt.

Gründung des Sportvereins 1921 Rodheim v.d.H.

Zu einer Krise im Verein kam es, als "König Fußball" seinen Einzug halten wollte. Einige Vorstandsmitglieder wollten von dieser neuen Sportart nichts wissen. Der Streit führte schließlich zur Spaltung, und der "Sportverein 1921" wurde als reiner Fußballverein im März 1921 gegründet unter dem Motto "Treu im Wort - gut im Sport".

Turn- und Sportgemeinde 1928 Rodheim v.d.H.

Im Jahre 1928 kam es zum Zusammenschluss der Turngemeinde 1891 und des Sportvereins 1921 zur

Turn- und Sportgemeinde 1928 Rodheim v.d.H.

In der neu gegründeten TSGR nahmen in den folgenden Jahren besonders die Leichtathletik und die Gymnastik einen großen Aufschwung. Das war vor allem ein Verdienst von Emil Enders, der als Aktiver der SG Eintracht Frankfurt (Main) moderne Körperschule mitbrachte und als Übungsleiter der TSGR fungierte. Durch seine Verbindungen und den beachtlichen Leistungsstand war die TSGR in der Lage, 1931 ein großes Sportfest mit rund 400 aktiven Teilnehmern zu veranstalten. Am Start waren verschiedene deutsche Meister, u. a. auch die spätere Olympiasiegerin im Speerwerfen, Tilly Fleischer, (Eintracht Frankfurt). Erstmalig wurde eine Schwedenstaffel durch die Rodheimer Straßen gelaufen.

Im Jahre 1932 wurde eine selbständige Abteilung für orthopädische Gymnastik für ältere Herren unter Leitung von Emil Enders und dem "Protektorat" der TSGR gegründet. Anscheinend hat man den Bewegungsmangel gerade dieser Bevölkerungsgruppe in Rodheim schon sehr früh erkannt.

1908 zur Gründung der Freien Turnerschaft Rodheim v.d.H.

Nachdem bisher die Entwicklung der "bürgerlichen Sportvereine" in Rodheim v.d.H. beschrieben wurde, sollen die folgenden Kapitel dem Sportgeschehen in der Arbeiterschaft" gewidmet sein. Die um die Jahrhundertwende vorherrschende Zweiklassengesellschaft, nämlich Bürger und Arbeiter, fand auch in Rodheim ihren Niederschlag, und führte

1908 zur Gründung der Freien Turnerschaft Rodheim v.d.H.

Im Geiste des Arbeiter- Turn- und Sportbundes Deutschland wurde unter dem Wahlspruch "Frisch, fromm, treu, stark" aktive Leibesübung betrieben. Geräteturnen und Leichtathletik nahmen einen starken Aufschwung. Aus den Reihen der Turner ging 1911 schließlich auch ein 24 Mann starker Spielmannszug hervor.

An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass in der Gründungsversammlung der späteren SG Rodheim am 8. September 1945 von Bürgermeister Philipp Schmidt die Freie Turnerschaft als Vorbild für den zu gründenden neuen Sportverein empfohlen wurde.

Gleichschaltung der Sportvereine 1933 - 1945

Der Nationalsozialismus hinterließ auch im Rodheimer Sportgeschehen deutliche Spuren. Anfänglich wehrte man sich auch gegen die Einbeziehung von Exerzierübungen und Kleinkaliberschießen in den Sportbetrieb.

Am 17.06.1933 war dann der "Widerstand" endgültig gebrochen. Mit der Gleichschaltung der Vereine wurde der Arbeiter-Turn- und Sportbund und damit auch die Freie Turnerschaft Rodheim aufgelöst. Die fortbestehende TSGR wurde kommissarisch geleitet, der alte Vorstand des Amtes enthoben. Der neue Vorstand mit mindestens 51 % NSDAP-Mitgliedern wurde bestimmt, nicht mehr gewählt. Das Horst-Wessel-Lied (Die Fahne hoch) und ein dreifaches Sieg-Heil auf den Reichssportkommissar – von Tschammer und Osten gehörte von nun an zur Tagesordnung der Vorstandssitzungen und Generalversammlungen. Der Leichtathletik-Siebenkampf bestand neben Kugelstoßen, Schleuderball, 100 m-Lauf, Hindernislauf nun auch aus Kleinkaliberschießen, Handgranatenweitwurf und Entfernungsschätzen.

Im 2. Weltkrieg war besonders während der letzten Kriegsjahre (1943 bis 1945) das Vereinsleben in Rodheim völlig zum Erliegen gekommen.

1945 - heute: Sportgemeinschaft Rodheim v.d.H.

Mit dem Zusammenbruch im Frühjahr 1945 hatten auch offiziell alle Vereine aufgehört zu bestehen. Als die anfangs sehr strengen Freiheitsbeschränkungen durch die Besatzungsmacht etwas gelockert wurden, trat - wie es im Gründungsprotokoll heißt - die Jugend Rodheims an den damaligen Bürgermeister Philipp Schmidt heran mit dem Wunsch, wieder einen sporttreibenden Verein zu gründen. Zur Gründungsversammlung wurde die Bevölkerung durch Aushang eingeladen. Sie fand am 08.09.1945 im Saale des Gasthauses "Zum Taunus" (damals E. Hisserich) statt.

132 Gründer hoben die "Kultur- und Sportgemeinschaft Rodheim v.d.H." (KSG) aus der Taufe. Damit war die erste Sportvereinsgründung der Nachkriegszeit im Kreis Friedberg vollzogen und wurde von der Militärregierung genehmigt. Am 14.10.1945 begann die Fußball-Verbandsrunde im Kreis Friedberg.

Im Mai 1946 war - erstmalig in der Rodheimer Sportgeschichte - eine Handballabteilung gegründet worden. Dennoch kam es 1951 zur Auflösung dieser Abteilung, wohl hauptsächlich, weil der geeignete Nachwuchs für diese - in Rodheim früher nicht beheimatete -Sportart fehlte und die Konkurrenz des Fußballs allzu mächtig war.

Inzwischen war der Verein auf Beschluss der Mitgliederversammlung vom 14.05.1947 in "Sportgemeinschaft Rodheim v.d.H." umbenannt worden. Dieser Name wird bis heute geführt.

Ab 1949 wurden auch die Turner wieder aktiv. Am 30.07.1950 fand das erste Sportfest der SG Rodheim nach dem 2. Weltkrieg statt.

Die nach der Eröffnung des Rodheimer Schwimmbades im Jahre 1953 ins Leben gerufene Schwimmabteilung musste schon nach kurzer Zeit mangels ausreichender Beteiligung den Sportbetrieb wieder einstellen.

Im Jahre 1958 wurde dank der Bemühungen einzelner Mitglieder der Schülerfußball (C-Jugend) in Rodheim wieder erweckt und über viele Jahre u. a. unter Leitung von Günter Busch erfolgreich fortgeführt.

Der Vollständigkeit halber möchten wir nicht unerwähnt lassen, dass in den 70er Jahren, unter der Leitung von Horst Pfeiffer, in Rodheim auch Damen-Fußball gespielt wurde.

Bei den Turnern gab es 1960 unter Abteilungsleiter Erich Brunkhardt einen Neubeginn. In den ersten Jahren hatte die Abteilung im Schatten der großen und erfolgreichen Fußballabteilung schwere Zeiten zu überstehen. Eine gute Kameradschaft und viel Eigeninitiative führten jedoch zu einer stetigen Aufwärtsentwicklung. Heinrich von Hayn wurde 1963 zum Abteilungsleiter Turnen gewählt und füllte dieses Amt bis in die 80er Jahre mit einer kurzen Unterbrechung erfolgreich aus. Mit dem Neubau der Turnhalle und der Leichtathletikaußenanlage an der Erich-Kästner-Schule blühte die Turnabteilung von 1968 an erst richtig auf. Die Zahl der Sportler stieg ständig, neue Sportarten wie Damen- und Herrengymnastik, Leichtathletik, Faustball, Mutter- und Kindturnen, Volleyball und Wandern wurden angeboten. Die Turnabteilung bildet insbesondere durch ihr vielfältiges Breitensportangebot u.a. die Grundlage für die übrigen Sportabteilungen unseres Vereins.

Mittlerweile war die Zahl der Leichtathleten so gewachsen, dass 1968 unter der Leitung von Siegfried Riehn eine Unterabteilung Leichtathletik zunächst noch unter Regie der Turnabteilung gegründet wurde. Ab 1974 bestand dann eine eigenständige Abteilung Leichtathletik.

Aus der Turnabteilung ging jedoch nicht nur die Abteilung Leichtathletik hervor, sie war auch die Keimzelle für die bis heute so erfolgreiche Volleyballabteilung.

Nach den ersten Versuchen im Jahre 1968, Volleyball zu spielen, stieg das Interesse auch an dieser Sportart. Zahlreiche begeisterte Sportlerinnen und Sportler bewirkten innerhalb kurzer Zeit die Teilnahme an einer Verbandsrunde des Turngaus Feldberg. Die Begeisterung führte 1972 unter der Federführung von Jürgen Eife und Trainer Gerd Schäfer zur Gründung der Volleyballabteilung. Seit Fertigstellung der Sporthalle Eisenkrain in Ober-Rosbach konnte sich diese Sportart erst richtig entwickeln. Jugend-, Damen- und Herrenmannschaften, die heute von der Kreisklasse bis zur Bundesliga spielen, sind die Arbeit zahlreicher ehrenamtlicher Sportler sowie des unermüdlichen "Volleyball Oldies" Klaus Raschke.

Die nächste Abteilung unserer SG Rodheim wurde 1973 gegründet. Tischtennis, eine bis dahin in Rodheim nicht vertretene Sportart, wurde von dieser Zeit an ausgeübt. Unter der Leitung von Udo Schreiter, fanden sich viele Jugendliche, Damen und Herren in der Turn- und Gymnastikhalle der Erich-Kästner-Schule zusammen, um aus anfänglichem "ping-pong" heute hochklassigen Tischtennissport im Jugend- und Aktivenbereich zu machen.

Am 01.01.1981 wurde die Judoabteilung des FSV Kloppenheim als sechste Abteilung Judo mit damals 50 Aktiven in der SG aufgenommen. Sie erntet bis heute viel Zuspruch und auch auf internationaler Ebene viele Erfolge.

In 1994 wurde die Abteilung Skilauf als siebte Abteilung der SG Rodheim gegründet. Damit war erstmals auch der Wintersport im Verein vertreten.

80 Jahre nach den ersten Gesundheitssportanfängen im SG Rodheim Sportangebot wurde als jüngste Abteilung am 02.03.2012 durch Beschluss der Mitgliederversammlung, REHA-Sport als achte Abteilung. innerhalb der großen Sportfamilie aufgenommen.

Neben der stetigen Erweiterung des Sportangebotes ist die SG Rodheim auch intensiv für die Optimierung der sportlichen Infrastruktur in Rodheim aktiv. In der Mitgliederversammlung 1994 wurde ein Sporthallenausschuss ins Leben gerufen, der es sich zur Aufgabe gemacht hatte, in der Öffentlichkeit sowie bei den anderen Vereinen der Stadt Rosbach auf die Notwendigkeit einer neuen Sporthalle hinzuarbeiten. Die Früchte dieser Arbeit sehen wir heute in der neuen Heimat der SG Rodheim in der Sportallee 1. Von 2009 bis 2015 entstand gemeinsam mit der Stadt Rosbach v.d.H. und mit tatkräftiger sowie finanzieller Unterstützung der SG Rodheim das neue Rodheimer Sportzentrum. Weitere finanzielle und personelle Engagements brachte die SG Rodheim bei der Neuerrichtung der Leichtathletikanlage an der Erich Kästner Schule und der Bouleanlage im Sportzentrum ein.

Die SG Rodheim ist heute mit fast 1600 Mitgliedern der größte Verein im Stadtgebiet Rosbach und gehört zu den mitgliederstärksten Vereinen im Wetteraukreis. Ein wichtiger Grund für diese positive Mitgliederent-wicklung ist mit Sicherheit das breite Sportangebot und die optimalen sportlichen Rahmenbedingungen für Sportler aller Altersgruppen und sportlichen Neigungen. Eine feste Klammer der SG Sportfamilie bildet aber auch das kulturelle Angebot. Neben den zahlreichen Abteilungsveranstaltungen finden sich auch immer wieder Initiativen zusammen die besondere Ereignisse organisieren. Hier sei insbesondere unsere seit vielen Jahren aktive Theater AG genannt.

Die tragenden Sportabteilungen waren über viele Jahre Fußball und Turnen. Der große Aufschwung kam aber erst in den 70er Jahren. Mit mehr Freizeit und weniger körperlicher Betätigung bei der Arbeit wuchsen der Wunsch und die Notwendigkeit nach sportlichem Ausgleich. Ein Sportverein dient heute jedoch nicht nur der körperlichen Ertüchtigung der Bevölkerung und somit der Gesunderhaltung, sondern erfüllt auch sozialpolitische Funktionen durch Förderung der mitmenschlichen Beziehungen, die in unserem heutigen Umfeld häufig zu kurz kommen.

Wir, die SG Rodheim v. d. H., wollen uns weiterhin dieser Aufgabe stellen. Wir setzen dabei weiterhin auf die Unterstützung der Stadt Rosbach v.d.H., die durch den Bau geeigneter Sportstätten den Anforderungen einer steigenden Einwohnerzahl und der Förderung des Breitensports Rechnung tragen kann und sollte.